bclose
venusfliegenfalle

So schön und so gnadenlos: Die Venusfliegenfalle (Dionaea muscipula)

Ein geöffneter blutroter Schlund mit spitzen, langen Zähnen: Die Venusfliegenfalle, die wohl bekannteste fleischfressende Pflanze, wirkt bereits auf den ersten Blick bedrohlich und faszinierend zugleich. Ursprünglich stammt die „Dionaea muscipula“ aus dem Osten der USA. Mit der richtigen Pflege fühlt sie sich jedoch auch auf der heimischen Fensterbank wohl. Ihre Leibspeise: Insekten und andere kleine Beutetiere.

1. Die Venusfliegenfalle: Steckbrief

  • Botanischer Name: Dionaea muscipula
  • Ordnung: Nelkenartige
  • Familie: Sonnentaugewächse
  • Heimatland: North und South Carolina
  • Wuchshöhe: bis zu 30 Zentimete
  • Blütezeit: April bis Juni
  • Blüten: grüne Kelchblätter, weiße Kronblätter
  • Schnappgeschwindigkeit: 100 Millisekunden

Warum der Name Venusfliegenfalle?

Der irische Naturforscher John Ellis John Ellis (circa 1710 bis 1776) gab der Venusfliegenfalle den lateinischen Namen Dionaea muscipula. Damit ist die fleischfressende Pflanze zum einen nach Dione benannt, der Mutter der griechischen Göttin Aphrodite. Dies ist auf die Ähnlichkeit der Fangblätter mit weiblichen Geschlechtsteilen zurückzuführen. Der zweite Teil des Namens bedeutet wörtlich übersetzt Mausefalle. Zwar verfügt die Venusfliegenfalle tatsächlich über einen Klappfallenmechanismus. Nager sind ihr jedoch als Beutetier zu groß.

2. Der Klappfallenmechanismus der fleischfressenden Pflanze

venusfliegenfalle

Venusfliegenfalle mit einem Klappfallenmechanismus istockphoto.com/Martin Wahlborg

Die Klappfalle ist der seltenste Tötungsmechanismus im Reich der pflanzenfressenden Pflanzen und äußerst ausgeklügelt. Die Ränder und Innenseiten ihrer Fangblätter sind mit Borsten, sogenannten Fühlhaaren ausgestattet. Dabei handelt es sich um den Teil der Pflanze, der an Zähne erinnert. Sobald sich ein Beutetier der Pflanze nähert, registrieren die feinen Fühlhaare die Bewegungen des Insekts. Raffiniert dabei: Nur wenn es innerhalb von 30 Sekunden zu mindestens zwei Berührungen kommt, schnappt die Falle zu. So wird verhindert, dass beispielsweise jeder Regentropfen den Mechanismus in Gang setzt. Eiweißrezeptoren prüfen, ob die Beute tatsächlich essbar ist – auch dadurch wird ein Fehlalarm verhindert.

Das Schicksal der Beute: Insenkten werden zerquetscht oder lebendig verdaut

Im Hohlraum zwischen den Blättern gefangen, gibt es für die Beute kein Entkommen mehr. Die Blätter schließen sich immer fester um den Körper. Meistens wird das Insekt oder ein anderes kleines Beutetier dabei zerquetscht. Wenn nicht, erlebt es den Verdauungsprozess bei lebendigem Leibe. Bei der Zersetzung werden Nährstoffe frei, welche die Pflanze über die Blätter aufnimmt. Nach drei bis zehn Tagen öffnet sich die Falle wieder und übrig bleibt nur noch der nicht verwertbare Panzer. Die Falle ist in wenigen Tagen wieder scharf und kann erneut zuschnappen.

Der Speiseplan der Venusfliegenfalle

Auf dem Speiseplan der Venusfliegenfalle stehen Insekten wie Fliegen, Spinnen und Ameisen. Warum gibt es eigentlich Pflanzen die Fleisch fressen? Dabei handelt es sich um Gewächse, die auf nährstoffarmen Böden wachsen und zusätzliche Nährstoffe wie Kalium, Stickstoff, Eisen und Phosphor benötigen. Diese ziehen sie aus ihrer Beute.

Blüten als Schutz für Bestäuber

Ebenfalls gut von der Natur eingerichtet: Einmal im Jahr bildet die Venusblütenfalle Blüten aus. Auffällig daran sind die sehr langen Blütenstängel, die mehr als 30 Zentimeter erreichen können. Dadurch wird verhindert, dass auch bestäubende Insekten in die Todesspirale gelangen, die für die Vermehrung der Pflanze zuständig ist.

3. Venusfliegenfalle pflanzen

Venusfliegenfalle pflanzen Standort

Die Venusfliegenfalle liebt einen hellen Standort © istockphoto.com/KariHoglund

Sie wollen eine Venusfliegenfalle auf Ihr Fensterbrett stellen? Der schnellste Weg führt über gut sortierte Gärtnereien, Gartencenter oder Baumärkte mit Pflanzenabteilung. Hier finden Sie zahlreiche Sorten von „All Green“ bis „Blutrot“. Kräftige Farben und fleischige Blätter sind ein guter Hinweis darauf, dass die Pflanze gesund ist. Achten Sie darauf, dass Blätter und Substrat der Venusfliegenfalle keine Anzeichen von Schimmel zeigen.

Falls Sie bereits eine Venusfliegenfalle besitzen, können Sie diese über Stecklinge vermehren. Idealer Zeitpunkt ist nach der Winterruhe. Nehmen Sie die Pflanze vorsichtig heraus und teilen Sie das Rhizom, also die Wurzelstruktur, indem Sie dieses mit einem Messer oder einer Schere durchschneiden. Sie können auch einzelne Blätter herauszupfen. Wichtig ist, dass ein Teil des Rhizoms an dem Steckling bleibt. Pflanzen Sie die einzelnen Pflanzenteile in separate Töpfe und Setzen Sie die Stecklinge vorerst nicht der prallen Sonne aus.

Etwas schwieriger ist die Vermehrung durch Aussaat. Venusfliegenfallen sind Zwitterpflanzen, weshalb Sie die Blüten mit einem Pinsel bestäuben können. Nach der Blüte sammeln Sie die Kerne und bewahren diese lichtgeschützt und kühl bis zur Aussaat auf. Der beste Zeitpunkt dafür ist Anfang März. Streuen Sie die Samen auf einer anfeuchteten, torfhaltigen Erde aus. Die Samen bleiben während des Keimvorgangs an der Oberfläche. Mit einer Klarsichtfolie abgedeckt, schaffen Sie ideale Keimbedingungen. Die Aussaat benötigt zudem reichlich Licht und die Erde sollte immer etwas feucht sein.

4. Die perfekte Umgebung für die Venusfliegenfalle

Standort: Die Venusfliegenfalle liebt Licht. Am Besten Sie daher auf der Fensterbank aufgehoben. Im Sommer fühlt sie sich auch im Freien wohl. Die Temperaturen sollten zwischen 20 und 32 Grad liegen.

Lichtbedingungen: Die Venusfliegenfalle kann gar nicht genug Sonne bekommen. Direkte Sonneneinstrahlung ist optimal. Vorsicht jedoch mit Pflanzen in einer geschlossenen Glasschale: Hier kann es zu Verbrennungen kommen. In den lichtarmen Wintermonaten tun Sie Ihrem Fleischfresser mit einer Pflanzenleuchte einen großen Gefallen.

Luftfeuchtigkeit: Die fleischfressenden Pflanzen mögen es feucht und haben daher ein Problem mit trockener Heizungsluft. Eine Wasserschale auf dem Fenstersims schafft Abhilfe. Sie können Ihre Pflanze auch regelmäßig mit Wasser oder noch besser mit Regenwasser besprühen.

Erde: Hier gibt sich die Venusfliegenfalle nicht mit allem zufrieden. Sie braucht eine sehr torfhaltige, sandige Erde. Im Fachhandel gibt es spezielle Erden für Karnivoren zu kaufen. Da Venusfliegenfallen in der Natur in kargen Böden vorkommen, benötigen sie keinen Dünger.

5. Die richtige Pflege für die Venusfliegenfalle

Fleischfressende Pflanzen haben den Ruf, sehr schwierig in der Pflege zu sein. Das trifft nicht in allen Fällen zu. Man muss nur die Ansprüche der Venusfliegenfalle kennen, um sie lange gesund und vital zu halten. Zunächst einmal ist es wichtig, die Herkunft dieser Karnivoren im Hinterkopf zu behalten. Das subtropische Klima in den Südstaaten der USA zeichnet sich durch heiße Sommer und kühle Winter aus, wobei die Temperaturen aber nie unter den Gefrierpunkt fallen.

Venusfliegenfalle gießen

Die Venusfliegenfalle mag es feucht, versorgt sich aber gerne selbst, indem sie je nach Bedarf das Wasser mit ihren Wurzeln aus der Erde zieht. Am besten stellen Sie die Pflanze daher in einen Untersetzer, den Sie daumenbreit mit Wasser füllen. Wenn es aufgebraucht ist, können Sie den Fleischfresser ruhig ein bis zwei Tage auf dem Trockenen sitzen lassen, damit die Erde nicht durchgehend feucht ist. Ein häufiger Fehler ist, die Venusfliegenfalle mit Leistungswasser zu gießen, das in fast allen Fällen einen zu hohen Kalkgehalt aufweist. Nur wenn Sie sehr weiches Leitungswasser haben, können Sie dieses für Ihre fleischfressende Pflanze verwenden. Optimal ist Regenwasser oder destilliertes Wasser.

Winterruhe für Venusfliegenfalle

Von etwa Ende Oktober bis März befindet sich die Venusfliegenfalle in der Winterruhe. Sie erkennen dies daran, dass sie viele kleine Fallen bildet. In dieser Zeit sollten Sie die Pflanze nur noch maximal ein Mal pro Monat gießen. Die Dionaea muscipula sollte in der Zeit an einem kühlen, hellen Ort ohne Zugluft stehen, an dem die Temperatur konstant ist und nicht unter 5 Grad Celsius fällt. Ideal ist ein Wintergarten. Falls Sie keinen geeigneten Raum haben, können Sie Ihre Pflanze auch in einer Gärtnerei oder in einem Gartencenter überwintern lassen. Viele bieten mittlerweile solche Stellplätze für die Wintermonate an.

Venusfliegenfalle umtopfen

Die Venusfliegenfalle braucht genügend Platz. Topfen Sie sie daher regelmäßig um, wenn der bisherige Topf zu eng wird. Dies gilt vor allem in der Wachstumsphase aber auch später, wenn sie sich bei guter Pflege von selbst zu vermehren beginnt. Kleine Pflänzchen sollten schnell einen eigenen Topf bekommen.

Venusfliegenfalle und Schädlinge

Blattläuse und Trauermückenlarven sind die häufigsten Schädlinge, die die Venusfliegenfalle befallen. Prüfen Sie die Blätter regelmäßig auf kleine Tierchen. Blattläuse beispielsweise sind bei genauem Hinsehen mit bloßem Auge zu erkennen. Bei einem leichten Befall reicht es oft, wenn Sie die Pflanze vorsichtig unter Wasser halten.

Venusfliegenfalle und Pflegeprobleme

Es sind in der Regel immer wieder die gleichen Fehler, welche die Venusfliegenfalle eingehen lassen:

  • Die Venusfliegenfalle erhält zu wenig Licht: Ein Platz an der Fensterbank ist ideal. Im Winter sollten Sie jedoch Wasserschalen neben die Pflanze stellen, um die Luftfeuchtigkeit bei trockener Heizungsluft zu erhöhen.
  • Die Venusfliegenfalle wird übergossen oder gedüngt: Gönnen Sie Ihrem Fleischfresser zwei Tage Trinkpause, ehe Sie den Untersetzer wieder mit Wasser füllen, und verzichten Sie auf Dünger.
  • Beachten Sie die Winterruhe, gießen Sie nur noch einmal pro Monat und stellen Sie die Venusfliegenfalle an einen kühlen, hellen Ort ohne Zugluft und mit konstanten Temperaturen.
  • Gießen Sie die Venusfliegenfalle nicht mit Leitungswasser oder abgekochtem Wasser. Erstes enthält zu viel Kalk, zweites zu wenig Nährstoffe. Regenwasser und destilliertes Wasser sind eine gute Alternative.

6. Venusfliegenfalle vermehren

Venusfliegenfalle füttern Insekten

Wenn Sie Ihre Venusfliegenfalle füttern wollen, sollten Sie nur lebendige Insekten reichen
© istockphoto.com/markgoddard

Bei guter Pflege vermehrt sich die Venusfliegenfalle von selbst. Sie können jedoch auch nachhelfen und die Pflanze über Stecklinge vermehren. Dazu müssen Sie ein Blatt abtrennen und zwar so tief, dass ein Stück von der Wurzel an dem neuen Pflanzenteil bleibt. Pflanzen Sie den Steckling in einen eigenen Topf, den Sie mit sehr torfhaltiger Erde füllen und gut gießen sollten. Setzen Sie die Pflanze vorerst nicht der prallen Sonne aus.

Etwas schwieriger ist die Vermehrung durch Aussaat. Venusfliegenfallen sind Zwitterpflanzen, weshalb Sie die Blüten mit einem Pinsel bestäuben können. Nach der Blüte sammeln Sie die Kerne und bewahren diese lichtgeschützt und kühl bis zur Aussaat auf. Der beste Zeitpunkt dafür ist Anfang März. Streuen Sie die Samen auf einer anfeuchteten, torfhaltigen Erde aus. Die Samen bleiben während des Keimvorgangs an der Oberfläche. Mit einer Klarsichtfolie abgedeckt, schaffen Sie ideale Keimbedingungen. Die Aussaat benötigt zudem reichlich Licht und die Erde sollte immer etwas feucht sein.

7. Venusfliegenfalle füttern

Die Venusfliegenfalle benötigt für die Nahrungsaufnahme keine Hilfe. In der Regel fängt sie selbst genügend Insekten, um über die Runden zu kommen. Dennoch: Jeder will seine Venusfliegenfalle einmal zuschnappen lassen. Füttern Sie kein totes Fleisch, dieses kann die Pflanze nämlich nicht verdauen und verbraucht nur unnötig Energie. Die Insekten sollten zudem weder zu klein noch zu groß sein. Idealerweise ist das Beutetier ein Drittel so lang wie die Klappfalle. Zu große Insekten können nicht verdaut werden. Im schlimmsten Fall fangen Sie in der Falle an zu verrotten. Der Zersetzungsprozess erfasst dann die ganze Pflanze. Beachten Sie zudem: Jede Klappfalle kann in ihrem Leben maximal sieben Mal zuschnappen. Halten Sie daher nicht zu oft aus Spaß Ihren Finger in die Falle.

Share on Facebook3Tweet about this on TwitterShare on Google+0Pin on Pinterest2

No Comments

Post a Comment